Integratives Entwerfen (Bachelor)

A House of Conflict

Bei der Suche nach architektonischen Lösungen wird die konfliktreiche Realität im Entwurfsprozess oft übergangen.

In gut gemeinten Konzepten und im Hochhalten demokratischer Prozesse werden Verhältnisse glattgebügelt, die struktureller Natur sind und durch Architektur allein nicht verändert werden können.

 

Nehmen wir die konfliktreiche Realität ernst.

 

Gesellschaftliche Entwicklungen sind zunehmend durch Polarisierung, soziale Ausgrenzung und die Verfestigung gegensätzlicher Positionen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden gesellschaftlichen Strukturen an Bedeutung. Die bewusste Weigerung, bestehende Verhältnisse als unveränderlich hinzunehmen, kann dabei als Ausgangspunkt für Prozesse gesellschaftlicher Veränderung verstanden werden. Insbesondere für marginalisierte Gruppen kann eine solche Haltung dazu beitragen, strukturelle Ausschlüsse sichtbar zu machen, Teilhabeansprüche zu artikulieren und gesellschaftliche Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten.

Im urbanen Kontext haben sich Gesellschaftsgruppen, die aus einem gesellschaftlichen Zentrum verdrängt wurden, am Rand ihren Raum erarbeitet oder geschaffen. Genau dort, wo ihnen Zugehörigkeit verweigert wird, entsteht der Ort, an dem sich laut bell hooks die radikale Möglichkeit des Zusammenlebens entfaltet . Gegen die Norm oder in ihrem Schatten bilden sich andere Formen des Zusammenlebens. Alternative Wohnformen sind das Zuhause, in dem der ordinary desire at the edge als andauernde und konfliktreiche Praxis gelebt wird.

Wenn wir Konflikt als festen Bestandteil der Realität verstehen: Wie schreibt er sich in die gebaute Umwelt ein? Wie entwerfen wir, indem wir ihn nicht lösen, sondern mit ihm handeln und verhandeln?

Wie überträgt sich das auf das Wohnen, und wie verhandeln wir es räumlich? Im Alltag gibt es Reibung, ein andauerndes Ringen um Zeit, Zugehörigkeit und Raum.

In diesem Studio gehen wir den Konflikt frontal an. Welche Räume beherbergen die Weigerung, sich zu fügen? Was bedeuten alternative Wohnformen überhaupt, und wie radikal sind diese wirklich? Wir beginnen mit Fallstudien und setzen uns mit Projekten auseinander, die alternatives Zusammenleben anstreben oder praktizieren. Wir behandeln ein Spektrum von Ansätzen, von Hausbesetzungen über das Mietshäuser Syndikat und Baugruppen bis zu klassischen Genossenschaftsmodellen, und betrachten dabei internationale wie Wiener Beispiele.

Dabei stellen sich dieselben Fragen wie den untersuchten Initiativen selbst: Was bleibt im utopischen Streben nach

Gemeinschaft? Was geht verloren? Für wen wird geschaffen?

In diesem Kurs werden unterschiedliche Methoden angewendet, mit Fokus auf Mapping und Zeichnen (Architekturethnografie) sowie prozessual aufbauende Übungen und die theoretische Auseinandersetzung mit sozialen, räumlichen, politischen und architektonischen Aspekten, mit dem Ziel, ein kollektives Wohnkonzept auf Basis der Transformation von Leerstand zu entwickeln. Es wird auf mehreren Ebenen gearbeitet: Übungen bauen aufeinander auf und werden in kleinen Entwürfen, in Mappings, Modellen und Zeichnungen, synthetisiert.

Wir beginnen bei uns selbst und betrachten anschließend unsere Umgebung, um den Konflikt im Objekt, in der Gruppe und im urbanen Raum zu verstehen. Dabei wird an einem bestehenden Leerstand gearbeitet, einem architektonischen Skelett, dessen Umnutzung zum gemeinsamen Experimentierfeld wird. Wie entsteht ein Haus, in dem der Konflikt innewohnt und das zugleich Türen für alternative Zukünfte öffnet?

Lehrbeauftragte
253.P73
12h, 15 ECTS
Ort
Ersatzraum Prechtlsaal 1
Termine
Do 14:00 Uhr

Kick-OFF
1.10
Anmeldung
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